• Print

«2012 war ein sehr gutes Jahr für Sanitas.»

Sanitas CEO Otto Bitterli über die Höhepunkte des vergangenen Geschäftsjahrs, die Problematik in der Zusatzversicherung, die zum Konkurs eines Mitstreiters führte, und die Chancen im Jahr 2013.

Wie lief das vergangene Geschäftsjahr?

Es war eines der sehr guten Jahre in der Geschichte von Sanitas. Wir erzielten sowohl im Versicherungsgeschäft als auch bei den Kapitalanlagen hervorragende Ergebnisse. Auf unseren Kapitalanlagen von 2,278 Milliarden Franken erwirtschafteten wir einen Nettoerfolg von über 100 Millionen Franken.

Was waren die Gründe für das gute Ergebnis?

Es gibt verschiedene Faktoren, welche zusammengespielt haben: Prämienerhöhungen einerseits, ein besseres Verhältnis zwischen Prämien und Leistungen pro Versicherten andererseits und die tieferen Leistungskosten insgesamt, welche auch mit der neuen Spitalfinanzierung zusammenhängen. Darüber hinaus blieb 2012 die Grippewelle aus. Im Einzelfall ist eine Grippe zwar nicht sehr kostspielig, sie fällt aber ins Gewicht, wenn sie breite Teile der Bevölkerung trifft.

Im Zusatzversicherungsgeschäft resultierte 2011 ein Verlust. Wie sah das 2012 aus?

Das Zusatzversicherungsgeschäft profitierte erheblich von der günstigen Entwicklung an den Börsen, denn dort haben wir einen höheren Aktienanteil als in der Grundversicherung. Aber auch versicherungstechnisch sind wir massiv besser gefahren: Die Schaden-Kosten-Quote, die sogenannte Combined Ratio, liegt deutlich unter hundert.

Wie hat sich der Versichertenbestand der Sanitas Gruppe entwickelt?

In der Grundversicherung haben wir 2012 etwas weniger als 30 000 Versicherte verloren. Im laufenden Jahr ist der Rückgang aber spürbar abgeflacht. Die Situation in der Zusatzversicherung ist stabil. Obschon wir aufgrund geänderter Finanzierungsrichtlinien in einer Produktlinie die Prämien 2012 um 15 Prozent erhöhen mussten, ging dort die Versichertenzahl nur geringfügig um 1,6 Prozent zurück.

«Wir haben unsere Organisation nochmals näher an die Kundin und den Kunden gebracht.»

Was gab es bei Sanitas Neues im Jahr 2012?

Wir haben unsere Organisation nochmals näher an die Kundin und den Kunden gebracht. Heute decken wir mit dem günstigen Angebot «Compact», mit «Original» für die Interessen einer Mehrheit und mit «Preference» für hohe Ansprüche die Kundenbedürfnisse in ihrer ganzen Breite ab. Im letzten Sommer starteten wir mit dem Preference Center, das vom Standort Bern aus ausschliesslich unsere halbprivat und privat versicherten Kundinnen und Kunden mit einem sehr persönlichen Service betreut. Das war ein wichtiger Schritt.

Welche technologische Neuerung gab es 2012?

Wir haben ein Online-Kundenportal aufgebaut, auf dem unsere Versicherten vieles selbstständig einsehen und abwickeln können. Dieses Portal ist auf grosses Interesse und viel Zuspruch gestossen. Aber das ist erst der Anfang. Wir werden das Online-Kundenportal 2013 weiter ausbauen.

Die Schweizer wechseln ihre Krankenversicherung immer öfter. Sanitas aber wirbt mit dem Slogan «Ein Leben lang» – ein Widerspruch?

Häufig gewechselt wird ja nur in der Grundversicherung, wo die volle Freizügigkeit existiert. In der Zusatzversicherung sind lange Kundenbeziehungen die Regel. Dazu passt der Slogan gut, denn dort haben wir viele Verträge, die von unserer Seite her unkündbar sind. Unser Leistungsversprechen «Ein Leben lang» ist aber auch breiter zu verstehen – in verschiedenen Lebensphasen ist Sanitas dank der Vielfalt ihres Angebots ein Partner, der die Kundenbedürfnisse langfristig abdecken kann.

«Die Situation in der Zusatzversicherung ist stabil.»

2012 ging ein Krankenversicherer Konkurs, weil er nicht genügend Rückstellungen für bestimmte Versicherungsprodukte gebildet hatte. Ein Einzelfall?

Nein. Viele Versicherer haben seit Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes das Problem, dass unkündbare Verträge im Zusatzversicherungsgeschäft – insbesondere, falls ein Eintrittsalterstarif angewendet wird – neu ausfinanziert werden müssen. Auch Sanitas ist betroffen. Wir haben mit der Finanzmarktaufsicht FINMA einen entsprechenden Massnahmenplan erarbeitet. Konkret ging es um die Äufnung der Rückstellungen für die Risiken von rund 120 000 Halbprivat- und Privatversicherungspolicen aus unserem alten Sanitas Bestand.

Wo steht Sanitas in diesem Aufholprozess?

Seit 2011 haben wir bei den halbprivaten und privaten Sanitas Spitalzusatzversicherungen 180 Millionen Franken eigene Mittel in die Rückstellungen gesteckt und zweimal die Prämien um 15 Prozent erhöht. Die kalkulatorischen Überlegungen auf Basis des aktuellen Versichertenbestands sind zwar noch nicht abgeschlossen. Wir gehen aber davon aus, dass die Rückstellungen nun grossmehrheitlich aufgebaut sind und wir uns in einer stabilen Situation befinden.

Es wird also bei den Spitalzusatzversicherungen keine ausserordentlichen Prämienerhöhungen mehr geben?

Wir rechnen nicht damit, es sei denn, die Gesundheitskosten ziehen wieder an.

Die neue Spitalfinanzierung ist seit einem Jahr in Kraft. Was hat sie gebracht?

Das System der Fallpauschalen wurde trotz seiner hohen Komplexität erfolgreich eingeführt. Man kann heute mit Fug und Recht sagen, dass das neue Gesetz mehr Klarheit über die Spitalfinanzierung gebracht und die Rechnung der Krankenzusatzversicherer entlastet hat.

«In der Spitallandschaft obsiegt der Kantönligeist.»

Wo sehen Sie noch Probleme?

Der Gesetzgeber wollte die Öffnung der Spitallandschaft, ein reduziertes Angebot und damit mehr Qualität. Ein Spital sollte sich überlegen, welche Leistungen es anbieten will, und diese Leistungen dann in einer hohen Fallzahl durchführen. Eine hohe Fallzahl bedeutet immer auch mehr Qualität. Denn das, was man oft macht, macht man auch besser. Davon sind wir noch weit entfernt. In der Spitallandschaft obsiegt der Kantönligeist. Jeder Kanton setzt das Gesetz anders um, und man denkt weiterhin lokal, auch was die Spitalinvestitionen anbelangt.