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«Wir wollen das Verständnis fördern.»

Verwaltungsratspräsident Jens Alder zum Geschäftsjahr 2011

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeitende

Im Jahr 2011 hat Sanitas wichtige Projekte angepackt und zahlreiche Ziele erreicht. Auch in meinem zweiten Jahr als Präsident des Verwaltungsrats hat sich Sanitas als agiler Krankenversicherer bewährt. Auf politischer Ebene hat sich das Unternehmen eigenständig als wettbewerblich ausgerichteter Krankenversicherer positioniert und die Allianz Schweizer Krankenversicherer mitbegründet. Auf unternehmerischer Ebene standen die Vorbereitungen in Verbindung mit der neuen Spitalfinanzierung und die Angebotsdifferenzierung gegenüber den Kundinnen und Kunden im Vordergrund.

Was Sanitas auffällt: Uns und der Branche ist es bisher zu wenig gelungen, der Öffentlichkeit verständlich zu machen, was wir als Krankenversicherer machen, wie gut wir es machen und welchen Beitrag wir an ein funktionierendes Gesundheitssystem leisten. Das zu vermitteln, ist essentiell, und daran wollen wir arbeiten.

Gutes finanzielles Ergebnis

Aus finanzieller Sicht war das Jahr 2011 positiv: Das Gruppenergebnis stieg gegenüber dem Vorjahr um 197 Prozent auf 79,4 Millionen Franken. Dazu beigetragen hat diesmal vor allem die Grundversicherung. Mit den notwendigen Prämienanpassungen per 2011 und einem effektiven Leistungsmanagement wurden in der Grundversicherung deutliche Überschüsse erzielt, welche zur Aufstockung der Reserven auf durchschnittlich gute 13,1 Prozent verwendet werden konnten. Die Combined Ratio beträgt ausgezeichnete 95,5 Prozent. Damit hat Sanitas Spielraum für eine künftig moderate Prämienentwicklung in der Grundversicherung. Finanziell erfreulich entwickelt sich die Compact Grundversicherungen AG. Mit einer Combined Ratio von 97,4 Prozent konnte sie die Verwaltungskosten und Abschreibungen aus Start-up-Kosten selber finanzieren. In der Zusatzversicherung verlief die versicherungstechnische Seite positiv, allerdings schlugen die schwierigen Entwicklungen der Finanzmärkte negativ zu Buche. Finanzjahr >

Im VVG bekam Sanitas zudem eine neue Vorschrift zu spüren, welche die Finanzierungsverfahren für Spitalzusatzversicherungen regelt. Konkret wurde bei zwei Spitalprodukten die Umstellung der Finanzierung von einem seit Jahrzehnten praktizierten Umlageverfahren auf ein Kapitalbildungsverfahren verlangt. Neben dem einmaligen massiven Aufbau von Kapitalreserven hat dies auch zur Folge, dass unseren Kundinnen und Kunden in diesen Produkten wesentliche Prämienerhöhungen zugemutet werden müssen.

Verwaltungskosten gesenkt, Reserven gestärkt

Die eingeführten effizienzsteigernden Massnahmen, namentlich die automatisierten Rechnungskontrollen, beginnen zu greifen. Erneut konnten die Verwaltungskosten gesenkt werden und betragen in der Grundversicherung nur noch 5,7 Prozent der Gesamtkosten. Ein Wert, der innerhalb der gesamten Versicherungsbranche ausser bei den Krankenversicherern kaum erreicht wird. Mit anderen Worten: Über 94 Prozent des Aufwands werden für die Abgeltung von in Anspruch genommenen medizinischen Leistungen verwendet. Die Reservenquote beträgt per 31. Dezember 2011 durchschnittlich wieder 13,1 Prozent. Damit erfüllt Sanitas wie geplant die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit.

Nur geringe Prämienerhöhung per 1. Januar 2012 – dennoch Abgang
von Versicherten

Positiv zu vermerken ist auch, dass Sanitas die Prämien per 1. Januar 2012 nur moderat um durchschnittlich 3,4 Prozent erhöhen musste. Einzig bei Compact fiel die Anpassung mit 8,9 Prozent deutlich höher aus. Ein Grund für die Prämienanpassungen sind die höheren Risikoausgleichszahlungen, welche nach der von Parlament und Behörden vorgegebenen neuen Berechnungsart des Risikoausgleichs ab 2012 bei Compact gemacht werden mussten. Auch nach dieser Erhöhung ist die Compact Prämie in den meisten Regionen im Marktvergleich immer noch attraktiv.

Trotzdem hat Sanitas per 1. Januar 2012 gesamthaft einen Abgang von 30 000 Versicherten zu verzeichnen, davon rund 16 000 bei Compact. Das ist für uns enttäuschend, auch wenn wir der finanziellen Gesundung im Jahr 2011 Priorität eingeräumt haben und deshalb mit einer leicht rückläufigen Zahl gerechnet hatten. Einen Meilenstein bei der Kundengewinnung haben wir dennoch mit dem Sorglos-Paket «Gesundheit» in Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister AWD erzielt.

Mit dem Ausbau der Angebotsdifferenzierung und damit der stärkeren Ausrichtung unserer Angebote auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Kundensegmente haben wir die Basis für eine verstärkte Kundenbindung und gesteigerte Chancen bei der Kundengewinnung gelegt. Denn mit Compact, Original und neu Preference verfügen wir über bedürfnisgerechte Angebote und Dienstleistungen und gehen auf die unterschiedlichen Erwartungen der Kunden an eine Krankenversicherung ein.

Prämiensensible Kunden finden mit Compact ein schlankes Angebot, Kunden mit breiteren Anforderungen an Serviceleistungen sind bei Original gut aufgehoben und Kunden mit privaten Spitalzusatzversicherungen und Erwartungen an eine individuelle und persönliche Beratung profitieren seit 2011 mit Preference von zusätzlichen Dienstleistungen, welche im Jahr 2012 systematisch ausgebaut werden. Für alle Kunden gilt das Versprechen «erstklassig versichert», denn ob Compact, Original oder Preference: Die drei Angebote sind jedes auf seine Art konsequent.

Gesundheitspolitik: klar und bescheiden

Sanitas versteht sich primär als Versicherer, nicht als Politikgestalter. Entsprechend beteiligen wir uns bei Verbänden und Plattformen, die sich für unsere Haltung für ein wettbewerbliches Gesundheitswesen mit Wahlfreiheiten einsetzen. Nicht mehr genügend vertreten fühlten wir uns durch santésuisse, darum ist Sanitas per Ende 2011 aus dem Verband ausgetreten. Weiterhin engagieren wir uns aktiv im Schweizerischen Versicherungsverband SVV, der vor allem im Zusatzversicherungsbereich tätig ist. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass wir in vielen Punkten ähnliche Interessen vertreten wie Helsana und Groupe Mutuel. Dies führte zur Gründung der Allianz Schweizer Krankenversicherer (ASK). Denn Sanitas ist überzeugt, dass Kooperationen effizient sind, ob in politischen, strategischen oder operativen Fragen. Kooperationen bedeuten immer, sich auf die Perspektive eines Partners einzulassen und gemeinsam am Mehrwert für Kunden und Partner zu arbeiten. Dazu braucht es neben gemeinsamen Interessen auch gegenseitiges Verständnis, damit konkrete Initiativen entstehen können.

Danke

Die Umsetzung von neuen Prozessen und IT-Systemen oder Veränderungen, wie sie die neue Spitalfinanzierung mit sich bringt, stellen unsere Mitarbeitenden vor grosse Herausforderungen. Dass sie gleichzeitig hervorragende Leistungen und Service bieten, verdient unsere Anerkennung und unseren Dank. Ein Dank gilt auch unseren Geschäftspartnern und Kundinnen und Kunden für die Zusammenarbeit und ihr Vertrauen. Dies ist die Basis für mehr Verständnis für die gesellschaftliche Rolle von Krankenversicherern.

Jens Alder
Präsident des Verwaltungsrats